Agiler Kundenauftrag (1049)

Um was geht’s?

Wie lassen sich agile Leistungen vertraglich vereinbaren?



Kurze Erinnerungshilfe
  • Der Idealzustand: Auftraggeber beauftragt Auftragnehmer, seine Idee “agil” umzusetzen.
  • §631ff BGB Werkvertrag: Der Besteller sagt, was er will, der Auftragnehmer macht es.
  • Einige Lösungsideen
    1. Könnten wir einfach einen Trennstrich quasi in der Mitte ziehen und den Product Owner dem Auftraggeber und das Team dem Auftragnehmer zuschlagen? Und die Durchführung nach Aufwand berechnen?
    2. Könnten wir den Trennstrich stärker Richtung Product Owner ziehen? Die Rolle des Product Owners wird auch (stückweise) vom Auftragnehmer übernommen, der Auftraggeber ist quasi nur Coach des Product Owners.
    3. Könnten wir zwei Product Owner haben? Einec beim Autraggeber und einen beim Auftragnehmer (also vielleicht eher ein Projektleiter)?
  • Es gibt noch mehr Ideen, aber die Ideallösung gibt es nicht.


Kurze Erinnerungshilfe

Wie sieht eine „Abnahme“  im agilen Projekt aus?
Sprint-Review:

  • Eine Nicht-Abnahme gibt es nicht.
  • Es gibt einen Level of Done, der nicht erreicht werden kann, aber die Zeit kann nicht mehr zurückgedreht werden  
  • Wenn etwas nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat, kommt das wieder ins Product Backlog.
  • Die Gründe, weshalb es nicht so gelaufen ist, wie gedacht, können in der Retrospective thematisiert werden.

Und in der Praxis?

Definitiv:  flexible Inhalte zum festen Preis und festen Termin bleiben leider ein Traum.

In der Praxis wird nun versucht, die vertragliche Leistung zu “agilisieren” und als Mengeneinheit Story Points oder ähnliches zu verwenden. Oder ein initiales Backlog wird aufgebaut und dann eingefroren. Spätere Änderungen erfordern dann doch einen “Agilen Change Request” und vertragliche Claims.

Klar ist – das alles geht in die falsche Richtung. Der Sinn und Zweck eines agilen Ansatzes ist Beweglichkeit. Beweglichkeit, die auf Grund von späteren Erkenntnissen problemlos integriert werden kann. Jede Art von Festschreibung läuft dieser Idee völlig entgegen.


Gewagter Lösungsansatz

In unserer Podcastreihe entstand ein Interview mit einem Rechtsanwalt, der einen einfachen Lösungsansatz vorschlägt. Allerdings müssen hierfür beide Seiten Flexibilität zeigen – vor allem der Einkauf. Dann sind Werkverträge möglich auch ohne Arbeitnehmerüberlassung.


Reflexionsfragen
  • Wie vereinbaren Sie vertraglich agile Leistungen?
  • Inwieweit schnürt dieser Vertrag den agilen Gedanken ab? Kann noch frei operiert werden?
  • Was müsste man tun, um diesen Nachteil zu umgehen?

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